Was Achtsamkeit ist und was nicht

Achtsamkeit ist Ausdruck einer inneren Haltung, die sich entschieden hat, auf liebevolle Weise mit sich und allem Leben auf dieser Welt in Beziehung zu gehen.

© Foto: Dirk Biermann

 

Achtsamkeit ist eine alles durchwirkende Art des Seins, die uns auf persönliche Weise mehr Stimmigkeit und Wohlbefinden spüren lassen kann und unsere psychische Widerstandskraft im Umgang mit den herausfordernden Situationen im Leben stärkt.

In dieser Praxis wenden wir uns der gegenwärtigen Erfahrung zu, statt sie anders haben zu wollen oder sie zu verdrängen. Wir öffnen uns unseren Gefühlen, Gedanken, Körperempfindungen und den äußeren Sinnesreizen (des Hörens, Sehens, Riechens, Tastens und Schmeckens). Wir machen uns bewusst, was um uns herum und in uns stattfindet, und öffnen uns für all die schönen Momente in unserem Leben und auch für die herausfordernden Situationen. Wir öffnen uns dem Leben an sich und üben uns darin, dies unvoreingenommen zu tun. Mit einer grundlegenden inneren Haltung von Akzeptanz, Hinwendung, Freundlichkeit und Wohlwollen sowie von Mitgefühl und Selbstmitgefühl. Und so frei wie möglich von einer Bewertung, die die Wahrnehmungen, Erlebnisse und Empfindungen umgehend einteilt in gut und schlecht, in gewünscht und unerwünscht.

 

Akzeptanz ist aktives Handeln im Tun oder Abwarten

Dazu zählt auch, dass wir nicht länger bewerten, dass der Geist von Natur aus gern und automatisch bewertet. Wir entscheiden uns einfach dafür, unsere Fähigkeit zu freundlicher Unvoreingenommenheit und Akzeptanz zu stärken und aus dem Prozess des Bewertens auszusteigen, sobald wir ihn erkennen. Das bedeutet nicht, dass wir die Geschehnisse und Empfindungen hinnehmen müssen. Akzeptanz ist kein passives Geschehenlassen. Es ist nicht der Endpunkt einer Wahrnehmung, sondern der Ausgangspunkt für aktives Handeln im Tun oder Abwarten.

 

Automatische Reaktionen bewusst werden lassen

Durch die Praxis der Achtsamkeit können wir eine stimmige Antwort auf die Geschehnisse im Leben finden, statt automatisch und unbewusst darauf zu reagieren. In einer Welt, die uns mit ihren äußeren Reizen und Anforderungen geradezu zu überfluten scheint und uns ständig neue Angebote und Möglichkeiten zur Unterhaltung offeriert, entscheidet die Qualität unserer Reaktionen und der Grad des Bewusstseins, wie sehr und wie lange wir unter dem unausweichlichen Stress in unserem Leben leiden.

In der Praxis Achtsamkeit beginnen wir, die Energie unseres Lebens zu nutzen und offen und flexibel mit ihr zu sein, statt mit den Geschehnissen zu hadern oder dagegen anzukämpfen. Das gelingt uns, weil wir immer besser lernen können, die inneren und äußeren Reize von unseren automatischen Reaktionen zu trennen. In diesen Momenten des aufmerksamen Innehaltens und des unvoreingenommenen Erkennens kann jene Gelassenheit entstehen, nach der sich viele von uns so sehr sehnen.

Damit ist Achtsamkeit keine Technik, um Stress und die schwierigen Momente im Leben zu vermeiden, sondern eine empfangende Art des Seins und eine innere Haltung, wie wir uns und dem Leben begegnen und wie wir damit in Beziehung gehen wollen.

 

Gesund bleiben, gesund werden

In Zeiten der generellen Gesundheit unterstützt die achtsame und mitfühlende Art des Seins das Wohlbefinden von Körper und Geist und stärkt die Widerstandskraft gegen psychische Leiden. In Zeiten konkreter gesundheitlicher Probleme kann uns Achtsamkeit helfen, die herausfordernde Situation besser zu bewältigen. Zum Beispiel mit Schmerzen umgehen zu lernen, mit Schlafproblemen, Ängsten und Depressionen.

So hilft uns die bewusst eingenommene innere Haltung von Achtsamkeit, hilfreiche Möglichkeiten im Umgang mit dem vorhandenen Stress im Leben zu entdecken und uns nach Phasen der Anstrengung schneller wieder zu erholen.

 

Kein Allheilmittel, aber eine wirksame Medizin

Achtsamkeit ist sicher kein Allheilmittel. Aber sie kann eine wirksame Medizin sein. Denn alles hat eine Wirkung. Ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht. Deshalb ist Achtsamkeit keineswegs ein „nice to have“ oder ein überbewerteter Lifestyle-Hype. Mitfühlende Achtsamkeit wird in unserer geschäftigen und leistungsbezogenen, oft rastlosen und von wirtschaftlichen Interessen dominierten Welt zunehmend zu einer Grundkompetenz – auf individueller Ebene zur Stärkung der seelischen (mentalen, psychischen) Gesundheit und kollektiv betrachtet als Grundlage, die das Überleben des Planeten und seines lebendigen Lebens ermöglicht.

 

Achtsamkeit ist eine natürliche Qualität des menschlichen Bewusstseins, die uns allen zur Verfügung steht und die wir durch Training immer stabiler in unser Leben bringen können.

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