Meditation

Erkennen, verstehen – Frieden schließen

In der Meditation wenden wir uns nicht ab von der Welt, sondern öffnen uns ihr mit allem, was gerade ist.

© Foto: Dirk Biermann

 

In der Meditation legen wir eine Pause ein und halten bewusst inne. Wir üben uns in dieser Trainingssituation im Beobachten, Erkennen, Erinnern, Verstehen und So-sein-lassen. Wenn es die Situation erlaubt oder nötig erscheinen lässt, auch im Hineinspüren und interessierten Erforschen.
Wir geben den äußeren Gegebenheiten Raum, aber auch unseren inneren Empfindungen – all dem, was uns in diesem Moment beschäftigt, freut oder belastet. Und das, ohne uns über Gebühr mit den Inhalten dieser Wahrnehmungen und Empfindungen zu identifizieren. Ein Gefühl oder einen Gedanken wahrzunehmen, ist eine Sache, zu wähnen man sei dieser Gedanke oder dieses Gefühl, eine ganz andere. Wenn wir diesem Irrtum folgen, verlieren wir schnell den Kontakt zum gegenwärtigen Moment und verstricken uns in den Geschichten, die uns unser Geist wortreich erzählt. Meist sind es immer dieselben.

Identifikation erkennen und loslassen
Gedanken und Gefühle sind mentale Phänomene. Da es nicht deren Wesen ist, dauerhaft präsent zu sein, ist es klug, sich eben nicht übermäßig damit zu identifizieren, sondern sie kommen und auch wieder gehen zu lassen. Wenn wir sie nicht künstlich festhalten und mit ihnen verweilen, tun sie das früher oder später ohnehin. In der Meditation können wir diesen Ausdruck der Vergänglichkeit wieder und wieder erfahren und hilfreich für uns nutzen.

Heilung für die wunden Stellen in uns
Dieser Weg des Erkennens und Erforschens kann von Freude und Leichtigkeit geprägt sein. Sich seinem Innenleben konzentriert zuzuwenden, kann in einigen Momenten aber auch alles andere als einfach sein. Denn wir kommen dabei auch mit den wunden Stellen in uns in Kontakt. Was uns aber nicht davon abhalten sollte, es dennoch zu tun. Vielleicht wohl dosiert und mit zusätzlicher Begleitung einer vertrauten und fachlich kundigen Person. Denn gerade die wunden Stellen in uns brauchen Zuwendung und Fürsorge, um heilen zu können. Damit bietet der Weg der Achtsamkeitsmeditation persönliche Momente der Herausforderung und zugleich der möglichen Entwicklung und in der Folge des tieferen Wohlbefindens, der Heilung und der Freiheit.

 

Bitte beachten Sie: In einigen Ausnahmezuständen des menschlichen Erlebens und Empfindens, ist es nicht ratsam, überhaupt oder ohne fachkundige Begleitung zu meditieren. Dies sind zum Beispiel Phasen tiefen depressiven Erlebens, wenn der Geist aufgrund einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung zu abspaltenden Reaktionen tendiert oder während psychotischer Zustände. Von diesen Sonderfällen abgesehen gilt Meditation grundsätzlich als eine sanfte Methode mit heilendem Charakter, die auch in einigen psychotherapeutischen Verfahren eingesetzt wird. Wenn Sie Fragen dazu haben oder Sie unsicher sind, ob Meditation etwas für Sie ist, nehmen Sie bitte Kontakt mit mir auf oder fragen Sie Ihre Behandlerin / Ihren Behandler sofern Sie sich in therapeutischer bzw. ärztlicher Begleitung befinden.

 

Innehalten

© Foto: Dirk Biermann

 

Das moderne Leben ist vielfältig und lebendig. Es bietet Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung, um die uns viele unserer Vorfahren wohl beneidet hätten. Technischer Fortschritt erleichtert die körperliche Arbeit und schafft Komfort in vielen Lebenslagen. Die Medizin und andere Wissenschaften setzen immer neue Meilensteine. Selten war es so einfach, mit Menschen in Kontakt zu kommen und Gemeinsamkeiten zu pflegen. Gute Voraussetzungen für ein erfülltes Leben, möchte man meinen.

Doch genau diese Erfüllung vermissen immer mehr Menschen. Die virtuelle Beziehungspflege im Internet ist anregend, hinterlässt aber meist einen faden Beigeschmack. Dem Digitalen fehlt die Tiefe. Wirkliche Verbindung ist selten spürbar. Und der Gewinn an Zeit, den uns unsere vielen elektronischen Helfer versprechen? Meist reine Gaukelei. Im Gegenteil fressen sie mehr Zeit als sie bringen. Wir füttern sie mit unserer Aufmerksamkeit.

In der Summe sehen wir uns einem vielfältigen Katalog an Anforderungen und Unterhaltungsangeboten ausgesetzt und muten uns ein viel zu hohes Pensum zu. Ein auf Dauer erschöpfender Zustand, den wohl niemand wirklich will, den aber nur die wenigsten von uns zu vermeiden wissen. Wer am Leben teilnimmt, ist diesen Kräften ausgesetzt – ob er will oder nicht. Was sich stellt, ist die Frage: Wie sehr? Und darüberhinaus: Wieviel Einfluss haben wir? Geht es auch anders?

Das moderne Leben ist rasant. Und es ist voll. Grundlegend werden wir das wohl nicht wieder ändern. Aber wir können bewusst Zeichen setzen und unserer eigenen Unrast ins Gesicht lächeln. Denn die Schnelligkeit des modernen Lebens an sich ist nicht das alleinige Problem, sondern dass wir versäumen, bewusste Pausen einzulegen, uns Auszeiten zu nehmen und unser selbstauferlegtes Pensum im Blick zu halten.

Ein stimmiges Leben und gesundheitliches Wohlbefinden folgt natürlichen Rhythmen. Anspannung haben die meisten von uns mehr als genug. Mit dem anstrengungslosen und erwartungsfreien Entspannen und Loslassen indes hapert es.

Ich halte es für ein schönes Ziel: Inmitten des Chaos des Alltags häufiger innezuhalten und durchzuatmen – um die die Lebendigkeit des Lebens zu spüren und immer wieder neu zu erfahren. Im Innehalten können wir präsent sein und wirkliche Verbindung spüren.

Dirk Biermann

Offen sein für das, was stattfindet

© Foto: Dirk Biermann

 

Achtsamkeit ist die Art und Weise, wie wir mit den Geschehnissen im Leben umgehen wollen und und es tatsächlich tun. Diese Art zu sein basiert auf Aufmerksamkeit und Offenheit. Das sind zwei natürliche Möglichkeiten menschlichen Erlebens. Achtsamkeit ist damit keine Fähigkeit, die wir uns gänzlich neu aneignen müssen. Wir entscheiden uns vielmehr für etwas, was wir ohnehin sein können. Achtsamkeit und Absicht gehören eng zusammen. Konkretes Tun im Handeln, Unterlassen oder Abwarten ebenso.

Die Unvoreingenommenheit verbindet

Und doch ist Achtsamkeit mehr, als bloß bewusst aufmerksam und offen zu sein. Hinzu kommt die Unvoreingenommenheit. In der Praxis der Achtsamkeit wirkt Unvoreingenommenheit wie ein verbindendes Element. Wenn wir uns den Geschehnissen in uns und um uns herum unvoreingenommen zuwenden, kann sich ein besonderes inneres Empfinden bilden. Wir beginnen mit den Ereignissen des Lebens zu sein und mit ihnen zu kooperieren, statt mit ihnen zu hadern oder gegen sie anzukämpfen. In diesen Momenten ergänzen sich Aufmerksamkeit, Offenheit und Unvoreingenommenheit und verschmelzen zur Achtsamkeit. Wir nehmen eine innere Haltung ein und gelangen zur Quelle unserer persönlichen Authentizität, in der wir präsent sind für das, was gerade stattfindet. Wir nehmen die Geschehnisse im innen und außen wahr: offen, aufmerksam und frei von Urteilen. Wir sehen die Dinge, wie sie sind, und können sie so sein lassen. Der achtsame Geist versucht nicht Dinge zu ändern, die nicht zu ändern sind. Der achtsame Geist nutzt seine Energie und geht mit den Gegebenheiten stimmig um.

Wirkung wahrscheinlich

Die natürlich vorhandene Fähigkeit achtsam sein zu können, können wir auf natürliche Weise praktizieren. Einfach durchs immer wieder Tun. Wir können uns dafür entscheiden, achtsam sein zu wollen. So kultivieren wir diese Art zu sein und lassen sie zu einer neuen Gewohnheit werden.

Ganz ohne Wirkungen wird diese Praxis indes nicht vonstatten gehen. Möglich sind vorübergehende Zustände innerer Ruhe, Klarheit und Gelassenheit.

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